Es war ein schöner Tag la la la la

Was lange währt… hier nun auch mein Bericht zu Klagenfurt. Lange habe ich überlegt ob und was ich schreiben soll… es fiel mir so richtig nichts ein, denn meine erste LD hatte irgendwie keine Ecken und Kanten, über die man ja immer spannend berichten kann. Irgendwie lief tatsächlich alles so glatt durch. Jedoch gab es natürlich unglaublich viele Emotionen und daher auch doch noch einmal ein Bericht, der vermutlich nicht einmal ansatzweise den besonderen Zauber der ersten Langdistanz einfangen kann. IMG_3625

Wie Christian schon schrieb, lief die Vorbereitung super an. Sehr schön durch den Winterpokal gekommen, gute Grundlage und ersten Vergleich auf Lanza im Trainingslager gehabt und auch noch einen recht guten Halbmarathon gelaufen…alles lief dieses Jahr nach Plan… Wer unsere Geschichte verfolgt, weiß dass das keine Selbstverständlichkeit ist, ich (wir) hatten die letzten Jahre viel Pech und immer wieder lange Trainingsausfälle….
„Das wird mein Jahr“ dachte ich immer wieder, aber wie heißt es so schön: „Leben ist das, was passiert, während man eifrig Pläne schmiedet.“… ich fiel 6 Wochen aus, in den letzten 3 Monaten vor der ersten Langdistanz- supergau!!!
Die Zeit verstrich und die Panik wuchs, die LD war eigentlich schon gedanklich abgesagt. Klar ich hätte schieben können und woanders starten, aber ich wollte doch genau diesen Tag, die ganzen Erlebnisse und Emotionen mit Christian teilen! Und es reisten so viele Freunde an, die uns bei der 1. LD so wichtig waren, 900km extra für uns!! Trotzdem wusste ich nicht, ob es objektiv gesehen Sinn machte an den Start zu gehen und ob ich die Distanz schaffen würde.
7 Wochen vor dem Wettkampf wurde ich gesund und beschloss mit unserem Trainer es zu probieren. Ein ausgeklügelter Notfallplan sah vor 1 Woche langsam reinzukommen und dann Training von 0 auf hundert zu steigern. Ich hatte keine andere Chance, wenn ich es gesundheitlich durchhielt, würde ich starten, wenn nicht, dann hätte ich zumindest alles versucht. So hatten wir noch 4 Wochen richtig knackiges Training, 1 Entlastungswoche und 2 Wochen Tapering… ich genoss jede einzelne Einheit und freute mich auf den Wettkampf…es sollte das größte Abenteuer unseres Lebens werden…

In der Raceweek war ich erstaunlich ruhig, bis Donnerstag keine Spur von Nervosität. Vermutlich hatte ich die Wochen davor bereits zu viel davon. :) Das änderte sich jedoch am Donnerstag beim Abholen der Startunterlagen schlagartig! Ich stand bei der Ausgabe und hätte vor Glück heulen können oder jemandem um den Hals fallen, oder alles gleichzeitig! Da passte es ziemlich gut, dass das Mädel bei der Ausgabe gerade bei mir völlig emotionslos war… haha… 2 Welten prallten aufeinander… „Es ist doch meine erste LD“ dachte ich. 
Die letzten Tage vor dem großen Rennen vergingen wie im Flug und waren trotz sorgfältiger Planung doch viel hektischer als gewollt, tausend Termine dir noch wahrgenommen werden sollten… Und immer diese schrecklich schweren Beine, die ganze Zeit… :)Vorstartaufregung ist schon lustig. IMG_3651.JPG

Und nun war er da… unser langer Tag! Auf einmal standen wir im Strandbad Klagenfurt, versuchten in den Neo zu kommen, richteten die letzten Dinge und der Startschuss für die Pros fiel… völlig unwirklich das alles… immer näher rückte der eigene rolling start, immer weiter ging man gemächlich Richtung See… und auf einmal ging die Schranke auf und man war mittendrin… alles lief automatisch. Die Zeit bis zur ersten Boje verflog nur so, es war trotzdem ziemlich voll und schwer einen guten Rhythmus zu finden. Die ganze Zeit überholte ich Unmengen an Mitstreitern. Im Lendkanal Chaos, ein hauen und treten. Immer wieder Wasser schlucken und keinen Zug richtig durchziehen. Und auch hier habe ich ständig Leute überholt. Wo hatten die sich alle aufgestellt? Es kam mir ein wenig vor, wie die Walker, die sich beim Marathon in erster Reihe aufstellen und sich dann wundern, dass sie überholt werden. Dann um die Kurve rechts und schon war der Schwimmausstieg in Sicht. Ein Blick auf die Uhr und ich sah, das war doch eine super Schwimmzeit. So konnte es weiter gehen…Im Wechselzelt schnell umgezogen und ab auf die Radstrecke. Brauchte ich eine Windjacke? Ach quatsch, so kalt war es nicht…

… ähhhh, das sollte ich bereuen, denn auf dem Rad fror ich richtig. Zu doof, mein eigener Fehler… 180 km Rad sind halt lang… Unterwegs überlegte ich tatsächlich, ob es auf der Laufstrecke etwas Warmes an Verpflegung gibt, ich wusste aber von nichts… Der Radpart lief so dahin. Ich beherzigte den Rat unseres Trainers und fuhr immer leichter als ich konnte. Unmengen überholten mich, sodass ich zeitweise dachte gleich kommt der Besenwagen… die Zeit rechnete ich hoch…oh Gott, sie sollte grottenschlecht werden. Groß war die Versuchung mit dickem Gang mitzufahren, aber ich wollte mir den Marathon und meine Beine nicht versauen, also brav locker weiterrollen. Wenn alles gut gehen sollte, würde ich zwei Drittel davon beim Laufen wieder einholen… so hoffte ich zumindest, denn ich wusste nicht, wie sich so Beine nach 180km Rad anfühlten. Durch die 6 Wochen Ausfall kamen wir nicht in den Genuss auch nur 1x so eine Strecke gefahren zu sein.
Irgendwann war auch dieser Part geschafft und die Wechselzone tauchte rechts am Straßenrand auf… yeahhhh, endlich laufen. Vorsichtig vom Rad runter und gehorcht wie sich die Beine anfühlten… etwas stackselig in den Radschuhen, aber lief…IMG_3723.JPG

Auch hier wieder recht flott gewechselt, Visor auf, Brille auf, Verpflegung verstaut und los ging es… um die Ecke aus der Wechselzone gebogen und schon die Mengen an Zuschauern anfeuern gehört. Auch „unsere Begleiter“ schickten mich lautstark auf die Strecke- Gänsehaut pur!
Ich hatte richtig Bock auf die 42km und hoffte, dass sich das so lange wie möglich nicht änderte… kurz nach der Wechselzone stand Steffen ( bei ihm im Team fing damals der Triathlon an, es bedeutet uns viel, das er diesen Tag mit uns teilte) und feuerte mich an mit den Worten „Christian geht es gut, er ist 20min vor dir“- kurze Zeit später war er wieder hinter mir und schrie „nimm raus, überpace nicht“… jetzt wo er es sagte, ich war viel zu schnell unterwegs, das Tempo fühlte sich zwar locker an, aber ich hatte Angst irgendwann einzubrechen. Immer wieder in mich reingehorcht und überlegt ob das ein „lockeres“ Tempo ist und Pace ein wenig runtergeschraubt… Mein Masterplan war ein wenig langsamer zu laufen als ich vermeintlich könnte, dafür aber so lange wie möglich.
Was soll ich sagen, der Lauf war unglaublich. Ich flog nur so km für km dahin. Keine Spur von Müdigkeit oder großer Anstrengung. Bei jeder Begegnung mit unseren Leuten ein riesen Schrei, große Freude und die Versicherung, das ich unfassbar locker aussehen würd. So fühlte ich mich aber auch, es war ein Traum. Bei km 27-30 wurde es etwas träger, schnell einen Schuss extra Ernährung eingeworfen, der mich von da an bis ins Ziel trug…irgendwie rauschte alles an mir vorbei.
Immer wieder unterwegs Christian an den Wendepunktstrecken gesehen, kurzer Kuss, abfragen des Zustands und weiter ging es. Ich bin komplett vom ersten km bis 42 durchgelaufen, bis auf nen kurzen Stopp an manchen Verpflegungsstationen.
Ich wartete immer auf den Mann mit dem Hammer, aber ich blieb verschont. Auf meinem Weg überholte ich einen nach dem anderen, der mir vorher auf dem Rad davon gefahren war und erntete eifrige Anfeuerungen durch die Zuschauer und erstaunte Blicke von (meist männlichen ) Teilnehmern.
Kurz vor Ziel schaute ich auf mein Firsttimer-Bändchen und dachte „yes, i will become one..“, dann ab in den Zielkanal und die Menge genießen… es war der absolute Wahnsinn, so etwas hatte ich noch nicht erlebt….
Der schönste Moment ist auch der, wenn man durchs Ziel läuft und sich mit Christian schreiend in die Arme fällt… genau dafür wollte ich genau hier meine erste LD machen, gemeinsam!!

Was soll ich sagen, es war ein genialer Tag. Ich wusste wirklich nicht ob ich es packe und wie lange ich diesen Tag genießen könnte…. Aber es war vom Anfang bis zum Ende unbeschreiblich und der Marathon der krönende Abschluss. Es klingt bescheuert, aber ich habe mir den Ironman anders vorgestellt, ich wartete immer, dass ich an meine Grenzen kommen würde, das ich mentale Tiefen durchleben muss, aber es kam an diesem Tag nicht. Ich hatte scheinbar einen guten Tag erwischt und das konservative Pacing war vermutlich der Schlüssel zum Erfolg. Schon im Ziel schrie ich….“noch mal….“, dem haben wir auch direkt Rechnung getragen und uns erneut bei einer LD angemeldet. Und auch noch 3 Tage später fühlte ich mich wie in einem Rausch. Alles was ich mir erhofft hatte ist aufgegangen. Es war ein unglaubliches Erlebnis, mit einer einzigen Gänsehaut und unzähligen emotionalen Momenten. Ich werde noch Jahre mit einem Grinsen von meiner ersten Langdistanz erzählen, genauso wie erträumt….
„Never give up!“
Yvonne



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